Fechten [21.08.2026]

Fechten ohne Grenzen: 100 Jahre IBF auf dem Bodensee

Normalerweise verbindet eine Fähre Menschen über den Bodensee. An diesem Samstag verband die „Richmond“ Deutschland, Österreich und die Schweiz auf ganz besondere Weise: Auf neun Fechtbahnen kreuzten mehr als 200 Sportlerinnen und Sportler anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Internationalen Bodenseefechterschaft (IBF) die Klingen. Was als außergewöhnliches Jubiläumsturnier geplant war, wurde zu einem Fest des Fechtsports, der Begegnung und des Zusammenhalts.

Dabei musste die IBF zunächst improvisieren. Eigentlich sollte auf der fahrenden Autofähre „Kreuzlingen“ gefochten werden. Doch ein kurzfristiger Ausfall mehrerer Fähren machte diesen Plan zunichte. Die „Richmond“, selbst wegen eines Schadens außer Betrieb, wurde kurzerhand zur Ersatzarena. „Mein Herz hat geblutet, das habe ich mir anders vorgestellt. Wir haben aber eine würdige Notlösung gefunden“, sagte IBF-Pressekontakt Andreas Kaltenbach. Die Notlösung erwies sich schnell als Glücksfall. Die „Richmond“ bot sogar mehr Platz als die ursprünglich vorgesehene Fähre. Banner, Technik und Tische konnten bereits am Vortag aufgebaut werden. Und so verwandelte sich das Schiff im Konstanzer Hafen in eine Fechthalle mit Bodenseeblick.

Das Besondere des Turniers steckte allerdings nicht allein in der Kulisse, sondern auch im Modus. Die Zweiermannschaften wurden vor Beginn des Wettbewerbs ausgelost. Fechter aus unterschiedlichen Vereinen, Ländern und Generationen fanden sich plötzlich als Team wieder. Jeder Fechter war eine Minute auf der Bahn, maximal zwei Treffer konnten erzielt werden. Wer hier lange taktieren wollte, hatte schlechte Karten. Ein Duo brachte den generationenübergreifenden Gedanken besonders eindrucksvoll auf die Planche: Der 69-jährige Wolfram Jänisch vom VfB Friedrichshafen und der 17-jährige David Diangamo vom SV Waldkirch bildeten eine Mannschaft und kamen im Senioren-Degenturnier unter 52 Teams bis ins Viertelfinale.

Der sportliche Teil des Events

Sportlich wurde trotz aller Jubiläumsstimmung nichts geschenkt. In den vier Wettbewerben – U17 und Senioren jeweils mit Florett und Degen – wurden zunächst Setzlisten in Vorrunden ausgefochten, ehe es im K.-o.-System um das Weiterkommen ging. Insgesamt kamen dabei 784 Einzelgefechte zusammen. Ein wahrer Fechtmarathon, der den Teilnehmern bei strahlendem Sonnenschein und 27 Grad einiges abverlangte.

Tettnang im Florett vorne dabei

Im Florett triumphierten Teams mit TSV-Beteiligung: Bei der U17 gewannen Julia Neumeister (TSV TT) und Laurin Scherrer (FSF Flawil), auf Platz 2 fochten sich Raphael Lutz (TSV TT) und Anna Mezei (TV Villingen) und Platz 3 sicherten sich Oliver Marosvary (TSV TT) und Linus Wagner (TV Villingen). Auch bei den Senioren gewann mit Alexander Neumeister (TSV TT) und Bogdan Mezei (TV Villingen) ein TSV-Joint Venture und das Team Noel Rilling (TSV TT) und Jan Lauenroth (FC Konstanz) wurde Dritter. Im Senioren-Degen setzte sich das Duo Marco Birkenmaier (VfB Friedrichshafen und Cheftrainer beim TSV Tettnang) und Lucia Raimundo Salat von der TG Schwenningen durch. Im U17-Degen ging der Turniersieg an Caroline Schreck vom TV Überlingen und Karoly Karlovich vom SV Waldkirch. 
Auch die weiteren Fechter des TSV Tettnang wussten sich auf der Florettpiste gut zu behaupten. Neben den Podestplätzen erreichten Sara Ihln (Senior) und Emma Straub Platz 4, Aaron Hernández (U17) Platz 5, Paul Stohr (Senioren) Platz 6, Noah Eser (Senioren) und Conrad Kuhlmann (U17) Platz 7 und Andrei Zlate-Podani (Senioren) Platz 8.
Durch beherztes Eingreifen des Turnierleiter Klaus Löschel blieb das Turnier im Zeitplan und alle Plätze konnten ermittelt werden.

Und weil ein Jubiläum nicht nur aus Trefferanzeigen und Gefechtszeiten besteht, war auf der „Richmond“ auch abseits der Planche einiges geboten. Fotobox, Virtual-Reality-Fechten und ein Reaktionsspiel sorgten für Unterhaltung, dazu gab es Essen, Kuchen, Eis und kühle Getränke. Rund 100 Gäste und zahlreiche Ehrengäste besuchten das außergewöhnliche Event. Auch Benjamin Denzer, Präsident des Deutschen Fechter-Bundes, ließ es sich nicht nehmen, den Organisatoren seine Anerkennung auszusprechen.

Für einen besonderen Moment sorgte der spontane Flashmob. Fechter, Gäste und Helfer ließen die Fechtwaffen für einen Augenblick beiseite und machten begeistert mit.

Genau darin lag letztlich die eigentliche Bedeutung dieses Turniers. Die IBF, 1926 gegründet und heute ein Zusammenschluss von 25 Vereinen rund um den Bodensee, steht seit einem Jahrhundert für Fechten als verbindendes Element über Ländergrenzen hinweg. Beim Jubiläum wurde dieses Motto nicht nur auf ein Banner geschrieben, sondern auf der Planche gelebt: Deutschland, Österreich und die Schweiz bildeten Teams, aus Fremden wurden Partner – und aus einem ungewöhnlichen Turnier ein gemeinsames Erlebnis.

Die „Richmond“ blieb zwar im Hafen liegen, statt über den Bodensee zu fahren. Für die Atmosphäre spielte das am Ende kaum noch eine Rolle. Die Fähre wurde trotzdem zum schwimmenden Symbol für 100 Jahre grenzüberschreitende Fechtfreundschaft. Oder, um es mit IBF-Präsident Martin Harzenmoser zu sagen: Ein außergewöhnlicher Anlass, der weit über den Sport hinausreicht.

Am Ende durfte sich deshalb jeder, der auf der „Richmond“ dabei war, ein wenig als Sieger fühlen – ganz unabhängig davon, was auf der Trefferanzeige stand.