Verein [04.06.2018]

Ehrenamtlicher Tausendsassa erhält Preis

Eduard Miller hat den stillen Ehrenamtspreis der Bürgerstiftung für seine Arbeit im TSV erhalten.  Foto: tbb

Seit sieben Jahren ist Eduard Miller nun schon Pensionär. Aber zur Ruhe gekommen ist der Tettnanger bis jetzt noch nicht. Zu sehr auf Trab halten den 69-Jährigen die vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die er im gesamten Landkreis wahrnimmt. Zu viel Spaß macht ihm das Engagement und nicht zuletzt ist seine Leidenschaft für Tischtennis viel zu groß, als dass Eduard Miller die Beine einfach so hochlegen könnte.

Die Bürgerstiftung Tettnang hat ihm kürzlich für sein Engagement im Turn- und Sportverein Tettnang (TSV) den stillen Ehrenamtspreis verliehen. "Es macht mir unglaublichen Spaß, mich ehrenamtlich einzubringen", sagt Eduard Miller. Zwar klinge das sehr abgedroschen, aber genau so fühle er sich, sagt er.

Über Jahrzehnte war Miller im Landratsamt des Bodenseekreises angestellt. Zunächst in der wirtschaftlichen Jugendhilfe des Jugendamts, dann, bis zur Privatisierung als stellvertretender Verwaltungsdirektor des Kreiskrankenhauses sowie der Klinik Tettnang. In den letzten Dienstjahren als Koordinator für Bürgerschaftliches Engagement und als Behindertenbeauftragter. Diese letzten Stationen haben Miller dabei am Meisten geprägt, sagt er. "Ich hatte viel mit Menschen zu tun." Bei den Tischtennisspielern des TTC 74 war er von 1979 bis 1985 Kassierer aber auch zweitweise stellvertretender Vorsitzender. Ab 1985 wurde er Vorstandsmitglied beim Hauptverein des TSV und dort für Finanzen zuständig. Diese Arbeit hat er auch gleich noch digitalisiert und dabei an aus heutiger Sicht historischen Rechnern gearbeitet. So wurden die Daten auf Disktetten gespeichert und wenn es mal schnell gehen musste, gab es an dem Rechner auch einen Turboknopf, erzählt er und lacht.

Auch Jugendtrainer, Mannschaftsführer und Sportkreisvorstand war und ist Eduard Miller. Es vergeht kaum eine Woche, in der er nicht für das Ehrenamt unterwegs ist. Im TSV sorgt er mit anderen zusammen für das Erscheinen der Vereinszeitschrift Bewegungsmelder, er ist im Tettnanger Stadtseniorenrat aktiv, im Kreisseniorenrat, dem Netzwerk Altenhilfe oder auch dem Netzwerk Behindertenhilfe. Für Eduard Miller ist das Engagement ganz normal - etwas anderes kann sich der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern nicht vorstellen. "Wenn man nichts macht, dann tut sich auch nichts", sagt er über sein Engagement.

Dabei ist Eduard Miller eine Sache wichtig: "Ich will keine Ehrungen und auch nicht ständig in der Zeitung stehen", sagt er. "Das was einem die Arbeit im Verein gibt, ist unglaublich wertvoll." Der TSV Tettnang sei außerdem der einzige Verein dieser Größe in Baden-Württemberg, der keine berufliche Geschäftsführung habe. "Solange das so ist, bleibe ich auch dabei", sagt Miller. Er ist stolz auf das, was er mit den vielen weiteren Aktiven im TSV erreichen kann.

Was Vorstandsposten angehe, sei es heutzutage schwieriger geworden, Freiwllige zu finden. "Junge Leute lassen sich nur schwer begeistern", sagt er. Sie hätten Angst vor der Haftung und der Verantwortung. "Dabei ist ein Verein dafür da, genau das zu minimieren", sagt er. Auch dass gute Spieler aus den Amateurklassen abgeworben würden, kritisert Miller. "Wenn es bei Vereinen nur noch ums Geld geht, dann ist das komisch."

In den vergangenen Jahren hatte Miller auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Auf der einen Seite bedeutete das für ihn kürzer zu treten und langsamer zu machen. Auf der anderen Seite hilft ihm aber auch die sportliche Betätigung bei der Genesung. Regelmäßige Tischtennispartien im grün-schwarzen Trikot des TTC gehören für ihn deshalb zum festen Wochenablauf.

 

Quelle: Schwäbische Zeitung vom 02.06.2018 - Ausgabe Tettnang - von Thilo Bergmann