Reha-Sport [07.09.2017]

Herzsport ist zertifiziert

Tettnang - Die Herzsportgruppen des TSV Tettnang sind zertifiziert: Seit wenigen Wochen können René Dietrich und Adalbert Benkler, Abteilungsleiter und stellvertretender Abteilungsleiter des Reha-Sports Herzsport, Zertifikate des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) in den Händen halten. Mit der Anerkennung kann der Verein nun sicherstellen, dass Krankenkassen den Patienten den Herzsport bewilligen.

Ein Fall aus einem anderen Landkreis hatte auch die 1989 gegründete Tettnanger Abteilung auf die notwendige Zertifizierung aufmerksam gemacht: Eine Krankenkasse hatte einer Patientin den Sport nicht genehmigt. Der Grund: Die Gruppe war nicht zertifiziert. Die Tettnanger haben reagiert und die Zertifizierung angestrebt. Eine Zertifizierung, die besagt, dass alles seine Richtigkeit hat, dass die Übungsleiter die notwendigen Lizenen besitzen und ein Arzt die Trainingsstunden begleitet.

Warmlaufen, Dehnen, Gymnastik - es ist ein Sport und doch weitaus mehr als das: "Es kommen Sportler mit Rollatoren, Leute, die etwas mit dem Herzen hatten", fasst Dietrich zusammen. Aus diesem Grund sind die Übungsleiter geschult, merken, wenn es einem Sportler zuviel wird. Aus diesem Grund muss auch ein Arzt die Übungsstunden begleiten. Dietrich ist froh über den Arzt, der nun seit knapp einem Jahr die Stunden begleitet. Doch er spricht auch von der Problematik, einen Ersatz zu finden, den Problemen andernorts, überhaupt jemanden zu finden. Denn ohne diesen darf keine Trainingsstunde stattfinden. Eine schlechte Ausgangssituation, denn der Sport wird den Herzpatienten nach Aufenthalten in Kliniken und Rehas ans Herz gelegt.

62 Mitglieder zählt die Tettnanger Abteilung Reha-Sport. Einmal in der Woche treffen sich die Sportler aufgeteilt in zwei Gruppen, um körperliche und geistige Fitness zu trainieren, und um ins Gespräch zu kommen. "Es ist eine tolle Sache und es kann jeder kommen", sagt Benkler, der nach einer Herz-OP 1996 zur Gruppe gestoßen ist. "Jeder macht im Endeffekt das, was er kann. Man darf keine Scheu haben", so Dietrich. Vor drei Jahren hatte der heute 46-Jährige seinen ersten Herzinfarkt. Ratschläge, Herzsport zu machen, schlug er aus. Warum, weiß er nicht: "Vielleicht habe ich es verdrängt. Vielleicht wollte ich nicht wahrhaben, dass ich was tun sollte, dass ich doch so krank bin." Erst beim zweiten Mal habe er sich dazu entschlossen. Das war im Herbst 2016. Heute schätzt er den Sport, die Fitness, die Gemeinschaft.

Text und Bild: Schwäbische Zeitung Ausgabe Tettnang vom 07.09.2017 (ARI)